Der Schweizer würde sagen "Es is so." Bereits 2023 habe ich mich diesem härtesten Berglauf Europas bereits scho neinmal gestellt und darüber berichtet. Um jetzt herauszufinden, ob es behinderungsbedingt oder wegen dem damals passierten Unfall nicht klappt, wollte ich erneut hier starten. Da ich Dinge nie auf die lange Bank schiebe, wollte ich gleich 2024 dran und durfte nicht, da man für einen Start dort UTMB Punkte benötigt. Meine aus 2015 waren bereits verfallen und so musste ich 2025 erst einmal den Marathon des Sables machen, um wieder 250 UTMB vorweisen zu können und mich somit für das Losverfahren anmelden zu dürfen. Und endlich war es soweit, der große Tag X stand vor der Tür und ich am Start....
Mit mulmigem Bauchgefühl stand ich dort und wartete auf den Startschuss. Wenn ich ehrlich bin, wollte ich hier gar nicht erst stehen. Es hat die ganze Nacht geregnet, die Trails werden also sehr gefährlich nass sein und als ob dieses Rennen nicht schon hart genug ist für Sehende, ist es für einen fast blinden so schon kaum umsetzbar, aber wenn die Trails nass sind, müsste ich eigentlich die Reißleine ziehen. Eigentlich... Aber dafür bin ich nicht angereist und ich will es wenigstens versuchen. Ich schätzte die Situation realistisch ein. Ich würde nicht Kopf und Kragen riskieren, komme mit Regen und Sauwetter klar, habe entsprechend Ausrüstung und könnte sogar am Berg ausharren ohne zu erfrieren, wenn es drauf ankommt. Also probieren wir es. Ich hatte 2023 am Start den Unfall, weil ich direkt nach dem Start über einen Bordstein geschupst wurde. Da wäre es eigentlich schon aus gewesen, aber wie ihr in meinem damaligen Bericht lesen könnt, war dem nicht so. Ich musste heute auf jeden Fall vermeiden, dass mir so etwas erneut passiert. Also versuchte ich sofort ab Startschuss drauf zu achten. Die Strecke führt raus auf die Straße vom Sportzentrum weg. Blöderweise eben über den Bordstein. In der Mitte ist kein Bordstein, aber links und rechts und ich startete halt eher rechts. Da ich aber das Problem kannte und mir ein paar Tage vorher das Ganze in Ruhe anschauen konnte, passierte da nichts. Kurz achtsam über die Bordsteinkante, nach rechts weg und alles war gut. Ich konnte somit unverletzt ins Rennen gehen, ich hatte eine Woche gutes Training vor Ort in der Schweiz absolviert, steckte somit die Höhe etwas besser weg und es konnte so gesehen nur gut werden.
Es war auch erst mal alles gut. Ich kam gut raus, war gut dabei und schaffte es sogar auf das über 3600m hohe Faulhorn mit über 1h30min auf den Cut Off hinauf! Heute würde mich dort der Arzt nicht rausnehmen und so war es auch. Trotz Blindenkennzeichnung nahm der nicht mal Notiz von mir. Und bevor er auf blöde Gedanken kommen kann, sofort weg! Ich durfte keine Zeit verlieren, da jetzt der harte technisch schwere Abstieg auf die Schynige Platte erfolgt und der wird mich alle Cut Off Zeit kosten, die ich noch habe. Die ganze Zeit über regnete es, es kam die Sonne raus, es regnete wieder und so blieb das in einem fort wechselhaft. Das machte die Trails leider sehr rutschig. Auf den ersten 30km geht das, weil es meistens bergauf geht, dann über eine Asphaltstraße wieder auf Grindelwald hinunter und erneut über den First hinüber zum Faulhorn. Das ist meist bergauf, wenig Singletrails und wenn wie gesagt bergauf. Ein paar moderate Bergabpassagen aber das ist alles schon gut machbar. Aber so oder so, ist das Traillaufen für mich als fast blinder Mensch schon extrem schwer. Ich muss stetig konzentriert sein und ich kann nicht alles direkt einschätzen, muss halten, genau schauen, fühlen, und vor allem die Höhe mancher Steine beim Bergab laufen ist ein Problem. Ich muss innehalten, mich vor tasten und das alles kostet Zeit und Nerven. Und dies Zeit hast du beim Eiger Ultra Trail einfach nicht. Wenn da manche sagen, man habe eigentlich genug Zeit und könne das stramm marschieren bergab, mag alles sein. Aber an den Blumen riechen und umherschauen wo man lang muss, die Zeit hat man nicht. Selbst meine Freundin Christiane, die um einiges langsamer als ich läuft, würde mich hier auf den Trails stehenlassen. Sie kann einfach weitaus gezielter treten und sicheren Halt finden als ich das kann. Somit wird sie definitiv schneller sein. Ich kam aber eigentlich gut klar die Schynige Platte runter und ich muss sagen, ich war zuversichtlich. Ich habe das Faulhorn mit 1,5h auf den Cut Off verlassen, ich war fit, fühlte mich gut, kam für meine Verhältnisse gut runter. Wenn ich jetzt gut durchhalte bis Burglauenen und den Cut kriege, geht es weiter.
Jetzt regnete das aber wieder einmal und die Trails waren wirklich schmierig und glatt wie Schmierseife. Ich konnte keinen rechten Halt finden, rutschte aus, stürzte, verletzte mich am Ellenbogen mit einer satten Schleimbeutelentzündung und lief mit dieser erst einmal ignorierend weiter. Stück für Stück verlor ich jetzt den Mut, weil ich einfach nicht wusste wie ich mich da anstellen soll, da runter zu schnell runter zu kommen. Jeder der vorbei lief meinte "nimm dir die Zeit die du brauchst..." Tja, das kann man leicht sagen, wenn man selbst schneller ist und genug Zeit hat. Einige rannten geisteskrank einfach vorbei wo ich mich fragte, das kann doch nur mit ausgeschaltetem Verstand gehen oder? Andere wiederum waren gar nicht großartig schneller als ich unterwegs, nur traten sie gezielt ins Gelände und wer hatte, setzte noch gewinnbringend seine Stöcke ein. Ich schätzte die Situation realistisch ein. Ich sah den 100ter heute nicht mehr für mich, wenn die Trails so rutschig bleiben würden, da es Richtung Eigergletscher und später in der Nacht noch weitaus härter zugehen wird. Endlich unten angekommen, habe ich mich dann noch verlaufen, weil kaum noch jemand um mich war und Wanderer die mir begegneten entweder nicht antworten wollten oder konnten. Einige wussten nicht was ich will, andere blockten gleich mit "Keine Ahnung" Nur einen Läufer hörte ich rufen der meinte "ich bin ein E51 Läufer und weiß nicht wo ihr 100ter lang müsst, ich würde aber meinen du bist falsch." Er hatte Recht, da ich mit den 50ern bis Buglauenen die gleiche Strecke hatte. Der verdammte Mist kostete mich auch nochmal mindestens 3min Zeit. Es wurde wieder wärmer, mein Wasser war zuneige gegangen und ich musste leider feststellen, das 1L Wasser der zwar Pflicht ist, bei dem Schneckentempo definitiv zu wenig sein kann. Vor Burglauenen kam jetzt noch eine Station und zwar Schwand. In Schwand angekommen, hat man mich dann aus dem Rennen genommen, weil ich 6min über der Zeit dort angekommen bin.
Ich werde das nicht beschönigen, das war einfach nur Scheiße! Ich habe echt alles gegeben dort pünktlich ankommen zu können und ich wollte wenigsten meine Ehre retten und nach Burglauenen ablaufen dürfen um in Grindelwald ankommen zu können. Ich wäre kein offizieller 50km Finisher geworden, hätte kein Anrecht auf eine Medaille, nur wenn eine übrig ist und ich wäre außerhalb der Wertung ABER ich hätte einen Zieleinlauf gehabt und habe ja immerhin dann 55km Leistung gebracht mit über 3500 Höhenmetern in den Beinen. Diese Regel gilt aber nur dann, wenn ich in Schwand innerhalb der Cut Off Zeit angekommen wäre und ich kam nun mal nicht vor 15:30 Uhr und somit 11:30min Laufzeit, sondern in 15:36 Uhr dort an. Es gab im Nachgang dann auch wieder die Stimmen die da meinten "Ja aber mit deiner Behinderung müsse man doch ein Nachsehen haben und dir mehr Zeit geben und dich weiterlaufen lassen usw." Nein, muss man überhaupt nicht. Regel ist Regel! Ich brauche keine Sonderbehandlung. Ich habe mich als normaler Läufer zu diesem Wettbewerb mit seinen Bedingungen die für alle gelten angemeldet und diese Bedingungen werde ich jetzt auch akzeptieren und umsetzen. Außerdem wie unfair wäre es denn gegenüber den anderen beiden Kollegen hinter mir gewesen, die ebenfalls mit knapp 7min über der Zeit rausgenommen wurden? Wenn ich nur weil ich behindert bin jetzt hätte weiterlaufen dürfen, da hätte ich mich nicht wohlgefühlt dabei und ich hätte das auch nicht machen wollen. Die waren gesund und kamen nicht rechtzeitig an und uns vereint dasselbe Schicksal. Ich kann doch nicht erst ohne Sonderwertung antreten und dann nur weil es schief geht auf eine Sonderbehandlung bestehen! Was wäre ich denn da für ein Sportler???
Fakt ist, ich habe meine Antwort. Ich kann den 100km Eiger Ultra Trail mit seinen 6700 Höhenmetern schon schaffen, aber nicht in der geforderten Zeit. Es sind zu viele technische Passagen und anders als beim Zugspitz Ultra Trail, kann man sich nicht auf Waldwegen mal ausruhen oder locker laufen, man ist echt meist auf Trails, wie der Name schon sagt. Selbst der Davos XTrails ist etwas leichter, weniger Höhenmeter, kürzere Distanz, andere Zeitlimits. Das sind einfach Fakten die nicht wegzudiskutieren sind. Wenn jetzt die Trails trocken gewesen wären, hätte ich vielleicht bis Burglauenen im Zeitfenster einlaufen können und ich hatte dafür sogar ja noch 1h24min Zeit. Ob ich allerdings weitergekommen wäre und wie durch die Nacht, wo ich mit meinem Leistungslevel definitiv laufen muss, weil ich vorher gar nicht ankommen kann, das bleibt offen. Für mich steht jedenfalls fest, dass ich nicht nur wegen dem Unfall, sondern auch behinderungsbedingt 2023 bzw. auch 2026 nicht angekommen bin. Ich hätte mich von vornherein für den E51 anmelden können, nur hätte ich da gewusst das ich definitiv ankommen werde. Das soll nicht arrogant klingen, das ist eine Tatsache! Man ist ja beim 50er schon unter 30km auf dem Faulhorn, läuft eine Schleife weniger als die E101 und hat 13h Zeit. Ab Burglauenen sind die harten Trails zu Ende und man kommt definitiv in Grindelwald an. Das kann ich mit meinem Leistungsniveau sicher stemmen. Ich kenne mich aber. Wenn ich jetzt die E51 gemeldet und geschafft hätt, würde ich zweifeln, ob nicht der 100ter doch auch machbar gewesen wäre und ich hätte mich zu eben diesem angemeldet.
Jetzt ist es halt so, dass ich erkennen muss, dass der 100ter nicht wegen der Distanz oder der Laufzeit ein Problem ist. Wer mich kennt weiß, ich lauf ganz andere Distanzen und Zeiten. Nein, es sind die schweren Trails bergab die ich bei dem harten Zeitlimit nicht schaffen werde. Selbst wenn die Trails trocken sind, werde ich nicht wesentlich schneller sein, nur ein bisschen sicherer und die ein oder andere Stresspassage geht mir leichter von der Hand. So kann ich mir realistisch den E51 als Ziel setzen und muss einfach einsehen, dass auch mir Grenzen gesetzt sind. Kopf und Kragen riskieren, fahrlässig handeln, das steht nicht dafür. Ich habe auf der Strecke einen netten Laufkumpel getroffen, den Andreas Bühler. Der hat mir vom Faulhorn runter geholfen und mir sogar seine Stöcke geliehen, Ich bin begeistert, dass es doch noch ein paar so charakterstarke Menschen wie ihn gibt. Nach dem Lauf hat er mich kontaktiert und mich gefragt ob ich mir nicht vorstellen könnte, mit einem Guide den Lauf doch noch für mich einfahren zu können? Tja, eine Überlegung ist es wert. Mir fehlt die Erfahrung damit und um ehrlich zu sein, kann ich es mir nicht recht vorstellen, dass ein Guide mich großartig schneller machen kann. Aber man soll ja nichts unversucht lassen, muss aber auch nicht jeden Scheiß mitmachen. Wir werden sehen ob sich draus was entwickelt und ich tatsächlich einen 3. Start beim E101 anstrebe. Wenn ja, berichte ich natürlich für euch darüber.
Realistisch könnte auch sein, sich den E51 zu holen und damit zufrieden zu sein. Denn ein Finish hier am Eiger hätte ich schon gern, auch wenn ich dabei die Nordwand nie sehen werde, die nur die E101er zu sehen kriegen. Da die meisten von denen aber eh in der Nacht laufen müssen, sehen die diese ja auch nicht und so gesehen, egal. Und wer weiß, evtl. entwickelt sich eine Laufpartnerschaft und man kann eines Tages über den E250 nachdenken. Das ist allerdings momentan so weit entfernt wie Mc Donald's von gesundem Essen.