1. Dornholzhäuser HM - Mein Bericht und Artikel in der Bad Homburger Woche

...Und manchmal läuft es einfach wie von selbst.

 

Ich bin lange nicht mehr so einen guten Wettkampf gelaufen wie gestern, bei dem ich mich auch noch richtig gut gefühlt habe. Zuvor aber nicht. Ich befürchtete, dass ich weit über 1h30min rein kommen werde, weil ich durch das SPARTATHLON Training so viel Langstrecke laufen muss, dass es sich sicher auf meine Geschwindigkeit auswirkt. Auf der Bahn bin ich ja froh, wenn ich derzeit 3:50min/km auf 1km halte, was ich fast mal auf Halbmarathon bzw. 10km gelaufen bin. 

Als gestern der Startschuss zum toll organisierten 1. Dornholzhäuser Halbmarathon fiel, ging ich gleich vorne mit raus. Noch dachte ich, das sei ein Fehler und schon waren die ersten vor mir. Ich freute mich Andre dort zu treffen und wir waren gar nicht weit voneinander weg. Die ersten paar vorn und hinten - ja, wo sind die eigentlich??? Da hörte ich keinen mehr. Entweder werde ich mich jetzt vollends verschätzen, oder ich bin echt gut drauf. Aber Vorsicht: Die Saalburg wird zweimal gelaufen ZWEIMAL!!!

Egal! Power! Die Front im Blick, ran kam ich nicht. Ich blieb aber ruhig - wohl wissend, dass mein Ziel ein anderes ist - Sparta! "Du sollst dich hier nur verausgaben und an deiner Spritzigkeit arbeiten, alles geben, es ist ein Rennen - nicht aber glauben du läufst wie 2016, wo du gezielt auf Marathon unter 3h trainiert hast." Hinter mir ein Fahrradfahrer - Sven. Der war irgendwie begeistert davon, dass ich fast blind alleine da laufe und drum begleitete er mich. Die Saalburg hoch hatte er dabei auch gut zu tun  Ich war froh das er da war, denn die Strecke war nicht markiert und so machte ich den ersten Fehler und wollte links an der Saalburg Richtung Jupitersäule laufen. "Rechts!" rief er und auch die verschlafenen Streckenposten. Super! Das kostet wieder sinnlos Sekunden. Stoppen, Rechtswendung, und .... Tja - und... Überholung - VERDAMMT! 

Aber nur einer. "Behalte die Nerven. Wer dich jetzt überholt, hat es verdient und ist eh schneller!" Der hätte aber nicht vorbei ziehen müssen. Selbst wenn er mich auf Sichtkontakt gehabt hätte, wäre ich noch vorn gewesen. Das erübrigte sich jetzt insofern, weil ich bergab langsamer laufen muss, da ich nichts erkenne und Gefahr laufe, mich schwer zu verletzen. Hacke hoch und Knie nach vorn, nach vorn lehnen und Ballern, traue ich mich nicht. Jetzt heizte ich aber doch alles raus was geht und wollte wenigstens so schnell wie möglich nach vorn und runten donnern, also volles Risiko!

Das gelang mir, ich hatte ihn wieder vorm Hirschgarten - ihn und einen anderen auch. Ich fürchtete den Einbruch aber ich sollte ja ein Rennen laufen und ich fühlte mich imstande das Tempo zu halten, wenn´s auch weh tut. Etwas ausruhen beim Runterlaufen wäre gut aber - ausruhen im Rennen? Wohl dosiert so runter laufen, dass die Kraft bergan vorhanden ist. Bergan war er lange Zeit wieder hinter mir und zog dann an mir vorbei - die Bergziege. Vermutlich drauf trainiert und ich dankte Kurt in Gedanken das er mich hat 10x 1000m Sprints die Saalburg hoch machen lassen. Auch wenn dir dabei viele neue Schimpfwörter für deinen Trainer einfallen aber - der weiß was er tut...

"Position 9 und 10 seid ihr!" rief ein Zuschauer. Hey Top 10? Das wäre ja mehr als ich mir zu hoffen und zu erreichen glaubte. Gut, 9 wäre geiler aber 10 - doch den Platz würde ich gern halten. Ich fragte Sven auf den Abstand nach hinten und er meinte so ca. 200m. Das ist nicht gut. Denn dann würden die beim Runterlaufen aufholen, der Rotlaufweg ist nicht ohne, da gibt´s Schlaglöcher. Ich sag euch heute im Nachgang eines: Wenn ich gestürzt wäre, es wäre alles aus gewesen. Sparta, sonstige Rennen, ich hätte mich schwer verletzen können. Aber es war mir egal. "Du wirst nicht schlechter als 10 laufen! So weit, das zweite Mal die Saalburg hoch gequält, keine Überholung, keine Staffelläufer und jetzt auf den letzten Metern Pos 10 verlieren, das wäre doch sowas von gemein und unfair oder? Nur weil ich ein fast blindes Huhn bin und runter langsamer laufen muss als das, was ich eigentlich jetzt könnte... NEIN es kann nicht sein was nicht sein darf!

Ich ballerte über die Saalburg drüber, nahm nur etwas Wasser, nichts hielt mich auf. Ich keuchte und mir war schlecht, die Lungen brannten "DURCHHALTEN!!!" gleich drüber über die Saalburg und dann dem Heimziel entgegen ballern. Zwar hatte ich keine Lust mehr aber ich habe nicht einmal geschaut bei welchem km wir sind oder wie viele km es noch sind. Das sind die Vorteile der Heimstrecke. Wenn du weißt wo das Ziel ist und du weißt wie weit es in etwa ist. Was heißt Vorteil. Ihr anderen habt mir diesen Vorteil bei jedem verdammten Rennen gegenüber! Ihr wisst immer wo ihr seid, ich nicht! Wenn du aber weißt wo du bist, kannst du dir das Rennen anders einteilen. Ich knallte los, ich wollte Abstand nach hinten um jeden Preis weil ich wusste, es geht nochmal bergan vorm Stadion und die anderen wachen auch auf, nicht nur ich...

Apropos andere: Wo sind denn diese Staffelläufer eigentlich? Ja pennen die denn? Die laufen doch nur knapp 10km, die müssten doch mehr Feuer geben oder bin ich erster, der Fahrradfahrer gilt dem ersten Mann und die da vorn sind Staffel? Ach nein, dafür bist nicht gut genug. Die haben´s einfach net drauf heute - keine Ahnung. Vielleicht trinken sie auch Bier auf der Saalburg. Entgegen kam mir aber runterzugs auch keiner mehr. Also müssen die da schon durch sein. Hey, was ist das da vorn?? Kontakt?? Tatsache! Ein schneller Läufer in rotem Shirt. Ob ich den überholen kann?? Ich tat alles dafür. Ich holte Stück für Stück langsam auf. "Kniehub und Hacke hoch, Hüfte vorschieben, konzentriert und mit jedem Schritt kraftvoll.." Ich holte langsam auf gaaaaaanz langsam. Jetzt war er vor mir, so schnell war er gar nicht, ich kam nur nicht ran, ich war zu weit weg.... Jetzt aber überholte ich ihn und ich könnte jetzt Platz 9 laufen!! Ich war so besessen von dem Gedanken aber - ich hörte ihn, der war da und der war schnell. "Noch schneller laufen, nur noch ein bisschen mehr Druck und das halten!" Wenn dein Chef morgen früh in der Zeitung das Zielfoto mit dem Blendtec-Shirt sieht... "Geb noch ein bisschen mehr Druck nur ein Tick mehr!!" Es gelang mir scheinbar denn es wurde ruhig hinter mir. 

Vor mir fuhr so ein Tretroller herum, den ich links überholte. Der hielt verdutzt an, schaute mir nach und scheinbar blieb er stehen um meinem Verfolger noch zu beklatschen, keine Ahnung. Ich wollte jetzt nur das diese Schmerzen aufhören, denn ich war fertig. Endlich die Rechtskurve die ich so scharf nahm das ich beinahe von der Strecke abgekommen wäre. Die klatschten da für mich und hörten wieder auf zu klatschen. "Wenn du sie wieder klatschen hören solltest, bist du zu langsam!" Ich hörte sie nicht mehr klatschen. Der letzte Anstieg und ich dachte ich käme gleich ins Stadion. Man verschätzt sich wenn man müde wird echt um 100te Meter. Ich drehte auf, überholte noch einen Läufer und hörte schon Johlen. Ich legte nochmal drauf und bog links ab aber... Scheiße! Das geht ja noch die Straße runter und auf die Bahn drauf im Stadion! Nehm etwas raus. Oder hältst du es aus? Du kannst das doch mal aushalten oder? Ich versuchte zumindest das Tempo hoch zu halten. Es ging scharf rechts auf die Bahn im Stadion und jetzt war ich nicht mehr zu halten! Die Beine brannten, der Atem war unkontrolliert, das Adrenalin kam auf, das Sichtfeld fokussiert auf die Uhr und die ... zeigte irgendwas unter 1h30min! Das spornte nur noch mehr an, denn das hätte ich nicht geglaubt. Die Taunuszeitung soll jetzt ihren Lokalmatador feiern können. Durchs Ziel, Arme hoch, dann erst die Uhr gestoppt und dann versagten die Beine. Ich lag flach. Gleich wollte man mich versorgen aber ich sagte, es sei alles ok. Ich atmete durch, musste aber wieder aufstehen weil ich mich austraben sollte, das ist für den Kreislauf ganz wichtig. Ich stand auf und war so voller Adrenalin endlich mal wieder eine Top 10 gelaufen zu sein, dass ich in Schlangenlinie im Ziel herum lief unter Johlen der Zuschauer. Ein kurzes Interview und die Taunuszeitung wollte ein Statement - schnell. Auf die Schnelle fiel mir nur ein "Wer nicht kotzt, läuft nicht am Limit!" Das habe ich vom Joachim, dem Master Chief ever gelernt! 

Ich bin zufrieden, hätte besser nicht laufen können. Der Lauf war super organisiert, allerdings ohne Sven, den Radfahrer hätte ich den ein oder anderen Fehler gemacht und es wäre anders gelaufen. Streckenmarkierungen könnten da helfen. Jedenfalls super organisiert und das Geile, bist du unter den ersten 10 - was macht es da Spaß zur Masseurin zu gehen und sich verwöhnen zu lassen... Ahhhh herrlich.

 

Dank Andre musste ich dann auch nicht 10km durch den Wald heim laufen, er brachte uns sicher heim, dafür gebe ich ihm einen aus! Versprochen!! Ich gewann dann noch ein Frühstück für Zwei bei der Verlosung und heute, darf ich mit diesem Gefühl erneut 45km laufen denn Sparta kommt in großen Schritten auf mich zu und in 7 Wochen muss ich ran. Der Respekt, die Angst, die Zuversicht und der Wille mit dem Ziel es zu schaffen, klopfen an meine Tür....