Hamburg 2017 - voller Erfolg - unglaublich, aber wahr!

Ich habe selbst nicht mehr daran geglaubt. 05:20 Uhr, der Wecker klingelt, es wird Zeit die Füße zu präparieren und vom Nachtportier mein bestelltes Lunchpacket zu holen. Ich will mein Frühstück schließlich vor 06:00 Uhr drin haben, danach esse ich nicht mehr. Das Wetter war frisch und durchwachsen. Ich musste mit langen Klamotten anreisen und ließ diese in der U-Bahn, hoffe sie wärmen nun jemand anderen. Mit Singlet und Sprinterhöschen stand ich da, sogar ohne Slip und hoffte auf den Startschuss. "Geh jetzt ja nicht zu hart an nur weil du willst das dir warm wird...", dachte ich noch so bei mir....

Es wird in Norddeutschland traditionell angeblasen, statt einen Startschuss zu geben und pünktlich zum Anblasen, regnete es mit Hagel. Ich lief noch nie im Hagel, interessant... "Verabschiede dich schon mal mental von unter 3h", dachte ich und setzte mein Rennen fort. Knapp über 20min kam ich auf 5km rein, deutlich schneller als geplant. Bei km 10, bereits das erste Mal keine Lust mehr, knapp über 41min! "Entweder wirst du kotzen und bei spätestens km36 eingehen, oder du bist besser trainiert als in FFM..." Zu spät! Wenn ich zu schnell war, konnte ich das jetzt nicht mehr ändern.

 

Ich blieb dran, hoffte auf den Halbmarathon, kam um 1h28min herum rein und fragte mich wie lange ich das noch aushalten könne. Ein absolutes Highlight fand ich ja das Stück das wir durch den Elbtunnel liefen! Das wollte ich immer schon mal tun im Tunnel brüllen und laufen

 

Km30 - endlich. Noch 12km trennen mich vom lang ersehnten Ziel. Zwischenzeitlich dachte ich mir "ach ich mag heute nicht, ich geh einfach raus... Aber dann habe ich ja das Theater drüber nachdenken zu müssen wie ich zum Hotel komm und zum Startpunkt.... Ach da lauf ich lieber das ist der sicherere Weg

Km36 und kein Einbruch. Versuchen wir die 2h49min auf 40km anzupeilen, es ist ja nicht mehr weit... 40km kam und ich war bei 2h48min!!! Ich gab alles und plötzlich war ich leer. Zwischen km41 und km42 wurde es jetzt schwer und ich kämpfte um jede Sekunde.

 

Wind kam auf und ich fürchtete es wird wie in Wien. Das Ziel wollte einfach nicht kommen. Ich gab alles, fast eine Kollision im Zielbereich und dann kam endlich das Ziel. Unglaubwürdig guckte ich auf die Uhr, ließ mir würgend die Sache durch den Kopf gehen und freute mich, dass Christiane mich im Ziel empfing. Ich hätte nicht mehr an eine unter 3h Zeit geglaubt mit den Wetterverhältnissen die sich stetig änderten, obwohl bei km30 der Hagel erfrischend war. "erschlägt er dich, musst du nicht mehr weiterlaufen", dachte ich so. Waren es nur die langen Läufe oder die langen Läufe und die Saltindiät in Kombi womit ich so lange an meiner Energie zehren konnte? War das Ende und auch das Rennen hart, so war die Power doch da und ich konnte kämpfen. Irgendwann ist zwar Schluss aber am Ende darf man ja auch am Ende sein.

 

Im Hotel angekommen, ab in die Sauna, später dann richtig die Speicher laden mit Kartoffelsuppe, Schnitzel, einem Teller Nudeln, Apfelstrudel, zweimal Mohnkuchen und einem Hefeweizen alkoholfrei. Auf der Heimfahrt, knapp 2h später, noch ein Brötchen und ein Kaffee und ab ins Bett, wo der lange Tag schmerzhaft um 22:30 Uhr endete und am Folgetag mit Muskelkater und Stolz begann.

 

Selbstverständlich ist bekanntlich nichts. An diesem Renntag standen die Zeichen nicht eindeutig auf Bestzeit und selbst die Elite musste das spüren. Ich war gut trainiert, evtl. sogar auf Kurs unter 2h58min! Wie dem auch sei, noch einmal und ohne Team im Alleingang unter 3h den Marathon bestätigt, was mich sehr freut.

 

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