The City that never sleeps.... New York, New York :) TCS New York City Marathon 2016

Da stand ich nun, mit InterAir hingebracht und fühlte mich erschlagen von der großen Stadt. Gleich zu Anfang als ich die Straße zum Hotel überqueren wollte, wurde ich fast überfahren und dann gleich nochmal, als wir am Broadway unterwegs waren. Da dachte ich zum ersten Mal – „ich will sofort heim!“.

 

Das Problem ist, hier läuft man dann, wenn es der Verkehr zulässt. Zwar kennen die Autofahrer rote Ampeln und dann haben die Fußgänger eigentlich stehen zu bleiben. Das weiße Licht für Fußgänger allerdings - wenn du das abwarten willst oder in meinem Fall oft musst, dann dauert ein Weg 4-5 Blocks weiter eine halbe Ewigkeit. Folglich sagt kein Cop irgendwas wenn du einfach gehst wenn es frei ist.

 

Und so hat diese Stadt einen ganz eigenen "Swing" Diese Stadt ist nicht laut, sie klingt und sie bewegt sich in einem ganz bestimmten Rhythmus. Bewegst du dich mit ihm, hast du in New York keine Probleme. Der Respekt voreinander ist so groß, dass du, wenn du jemanden anrempelst, "sorry" sagst. Dann merkt der andere "ah, ich werde respektiert" und erwidert "you´re wellcome." Sagst du nichts ist es respektlos. Das habe ich gleich wieder in Frankfurt kennengelernt. Und obwohl New York weitaus größer ist, bewegt man sich anders und miteinander anders. Du kannst jeden ansprechen wenn du nicht weiter kommst und du bekommst von fast jedem eine Antwort. Deppen gibt es ja überall - aber da jemanden fragen ist völlig ok.

 

Nun war es so, dass ich mich lernte hier anzupassen, ich lernte mich zu orientieren und das ist weitaus leichter als bei uns. Denn die Amerikaner haben Streets und Avenues. Avenues längs und Streets quer. Das Ganze sind dann quadratische Blocks und so kannst du alles relativ gut finden. An jeder Straßenkreuzung steht wo du gerade bist und dann kannst du zählen. Und wenn du nicht klar kommst - tja, fragen. Englisch kann ich ja :)

 

The Race…

 

 Ich sollte es ja ruhig angehen lassen und habe in Frankfurt ja meine Bestzeit von 2h59min hingelegt. Nun hat der Busfahrer am Vortag die Klima so aufgedreht, dass ich mir leider einen leichten Schnupfen geholt habe. Ich würde damit normal nicht starten wollen und schon gar nicht ein Rennen laufen. Und wer mich kennt weiß: Ich mache hier keine Sightseeingtour, ich laufe ein Rennen! Verhalten oder nicht, aber trotzdem. Ich überlegte hin und her. Ich legte mich um 20:00 Uhr ins Bett und gab Ruhe, musste mich eh mit dem Jetlag auseinandersetzen und hoffte dass es besser werden würde. Ich hatte Angst mein Herz damit anzugreifen, dachte mir aber, wenn ich kein Fieber habe, passiert nichts. Ich sagte mir "Es ist New York verdammt! Und wenn du dabei drauf gehst, du hast es erlebt!" Nein ich würde starten. Und wenn ich durchs Ziel spazieren muss, genieße ich halt die Stimmung aber bin dabei. Die ganze Mühe, die Kohle, der Aufwand für nichts? Dafür das ich dann wegen einer laufenden Nase am Streckenrand stehe? Ne Freunde....

 

Ich wachte am nächsten Tag mit einer Birne aus Blei auf. Die Nase lief nicht, dafür war der Kopf dicht. Verdammte Scheiße ey... Ich machte mich startklar. "Ruhig Bruder, geh frühstücken, trink was, die Kopfschmerzen verschwinden am Start" Da war das nächste Problem: Frühstück? In New York? Klar, die Stadt schläft nie und bewegt sich ständig. Aber finde mal was Brauchbares vorm Start zu Essen hier. Ich fand um die Ecke einen Laden, aß um 5:00 Uhr morgens 2 Weißmehlbrötchen mit 4 Eiern, Speck und Schinken. Zugegeben, nicht meine erste Wahl aber - besser als was Schwereres oder Fastfood. Noch 4 Stunden bis zum Start, das wird schon gut gehen. Es ging gut. Wir reisten an und der Busfahrer drehte die Heizung auf. Als ich ihn bat diese etwas runter zu drehen, drehte er die Klima an - Amis... Nur Extrem! Entweder ganz oder gar nicht, mittelmäßig geht hier nichts. Das ist von der Party bis zum Rennen so.... Ach ja, der Preis, unter 13$ brauchst du in Manhattan nicht frühstücken zu wollen - Manhattan kostet richtig Geld. Kennst du New Yorker und treibst dich wie ich in den kleinen Kneipen rum, suchst das Gespräch, wirst du erfahren, dass in den kleinen Seitenstraßen das ein oder andere ist. Die Amis erkennen sofort dass du Deutscher bist wenn sie sagen „45 Street in 9th Avenue“ - und du beginnst zu überlegen: "Das sind dann 2 Straßen weiter und dann ...." Da freuen sie sich "Ah Germany all right?"

 

Der Start war TOP organisiert und du kamst an alles ran. Manch kleiner Marathon, selbst Berlin kriegt das so nicht hin. Wobei Berlin ja groß ist aber NY hat nun 50000 Leute und das klappt perfekt, man kann es nicht anders sagen. Du läufst aus deinem Startblock raus in die Startarea und bei den Amis gibt es kein Vertun. Wenn du nicht parierst gibt´s auf die Mütze. Wenn du tust was man dir sagt, hast du keine Sorgen. Geh dahin wo du hin sollst in deinen Startblock und lass die Security ohne Wenn und Aber ihr Ding tun und gut ist. Jetzt wird die Hymne gesungen und einem vor zwei Tagen ermordeten Polizisten der NYPD gedacht. Tja, schlechte Menschen gibt es  in NY auch genug, aber bei uns doch auch. In NY fällt es mehr auf weil die Stadt größer ist. Ich bekomme Gänsehaut wie dieses Mädchen singt - bombastisch, und ich habe Tränen in den Augen weil sie es so ehrlich bringt und jeder Ton stimmt - gell Frau Conner... Ok anderes Thema. Und bei der Hymne hält man entweder die Schnauze oder singt mit, sonst hört man da nichts.

 

Jetzt gibt es einen Tusch und Frankie ist zu hören - New York, New York... I want wake up, in that city that never sleep´s.... Wieder muss ich die Tränen verdrücken aber hey - ich muss loslaufen!!!! Auf der Brücke ist es zunächst ruhig und die geht 60m hoch - gaaaaaaanz lange und weiter und weiter und noch viel weiter 1-2 Meilen und runter - nach Brooklyn! Und da Freunde sollte ich eine Stimmung erleben, die habe ich in diesem Leben noch bei keinem Rennen dieser Erde erlebt. Die Leute brüllen, sind hysterisch, feiern, es ist LAUT!!!! RICHTIG LAUT!!!!! Da spielen Bands, die Mucke wird aufgerissen, du hörst weder deine Uhr piepsen noch deinen Laufschritt. Wenn du ihnen zurufst oder "No sleep to Brooklyn" oder „thank you for be there“ oder was auch immer, sie antworten. Wenn du deinen Namen auf dem Shirt hast rufen sie in einem fort "Harry!!! You make it man, you do it honey!!! Harry come on!!!"

 

Das pusht! Ich hielt mich zunächst zurück. Naja, 4:40min/km etwas mit angezogener Handbremse und stets auf mein Inneres hörend. Die Kopfschmerzen wichen etwas und die Leistung war da. Eines sei gesagt: Ich suche keine Nachahmer. Ich kenne meinen Körper aber so verdammt gut, dass ich sofort erkenne, wenn was nicht stimmt und was geht und was nicht geht. Ich empfehle euch das also nicht, da muss jeder selbst wissen was er/sie tut.

 

Es war warm und die Stimmung wie gesagt unbeschreiblich. Wenn ich noch so viele Worte nutzen würde, ich kann das nicht beschreiben. Stellt euch vor eine Band und ein Jubel in Berlin. Und jetzt stellt euch das auf beiden Straßenseiten in einem fort vor!!! So in etwa war das. Bis auf die 5 Brücken, da ist Ruhe. So lief ich weiter und das Schlimmste, ich erkannte nicht wo ich war. Wie sollte ich mir nun ein Rennen einteilen wenn mir nicht klar ist wo ich bin??? Ich erkannte die Meilen/Kilometerschilder nicht und die Meilen welche ich erkannte, waren mir unklar wie umzurechnen. Ich wollte sie doppelt nehmen aber ab einer gewissen Distanz denkst du doch nicht mehr logisch. Was du laufen sollst und was du gelaufen bist zu vergleichen, das kriegst du schon noch hin. Aber Meilen umrechnen und umdenken... Meine Uhr war irgendwie einen Kilometer daneben aber, war sie das nun oder nicht?? Ich schätzte also und blieb am Tempo dran so gut ich das konnte. Irgendwann erkannte ich den Kilometer 30 und BUM!!! Ich schätzte ich sei bereits bei 35km... Und dann ging ich die ganze Zeit von 22,2 Meilen aus. Dummerweise waren es 26,2 Meilen!!! Jetzt hatte ich meine Orientierung wo ich war aber... Wie aushalten?? Ich dachte mir "12km - lockerer Trainingslauf - nicht verheizen aber so hart am Limit wie geht ok?" Kopfweh war weg, aber ich merkte Frankfurt in den Beinen und konnte nicht mehr zugeben, nur aushalten. Wieder mal aushalten - kennen wir Ultras doch zu gut...

 

Endlich kam der Central Park - aber der zog sich. Ich begann Läufer zu überholen und freute mich über jeden. Denn - a) hatte ich das Gefühl die stehen da rum, b) freute ich mich über jede erlaufene Position die ich anfangs verloren habe weil sich die Läufer verheizt haben (Ich Taunusläufer kann mit Hügeln und Bergen umgehen, kann das einteilen, macht mir nix...) c) die Stimmung brodelte wenn ich Tempo machte und d) dem Herbert Steffny zum Trotz der nur den Kopf schüttelte und meinte "Ob du in der 2. Hälfte - davon abgesehen das du den Frankfurt Marathon merken wirst, noch Feuer machen kannst - ich weiß ja nicht..." Ich genoss, lief, genoss irgendwann nicht mehr und hoffte, dass diese elendslangen 2km endlich enden mögen...

 

Und sie endeten....  Es ging den Berg hoch - naja Hügel, den du aber merkst wenn du am Limit läufst und dann endlich in das lang ersehnte Ziel. Blöd an der Sache: Es zieht sich halt.

 

Mit einer 3h16min Zeit und unter den ersten 2300 Plätzen in New York, nach dem harten Marathon in FFM und mit einem nicht ganz optimalen Zustand (Schnupfen, Kopfweh, Jetlag), ein doch sehr gutes Rennen gelaufen. Dafür habe ich jetzt die ganze Woche Trainingspause :) :) :) !!!! Lange ist es her als ich das hatte. Danach werde ich wieder neu einsteigen in die Trainingsbelastung.

 

New York vermisse ich jetzt schon. Eine wundervolle Stadt, hat man sich erst einmal zurechtgefunden und eingelebt. Zwar ist die Ruhe in Oberursel schön aber ich bin sie kaum noch gewohnt... Ich würde sofort wieder dort starten wenn ich die Möglichkeit dazu bekäme. Dann aber ausgeruht, auf Zeit, unter 3h10min sind dann drin.

 

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