Wer ich bin?

Wahnsinn, Leidenschaft und Vernunft liegen extrem nah beieinander. Viel zu sagen gibt es über mich nicht: Ein ganz normaler Typ, der fast blind, Extremsportler, Musiker und voll berufstätig ist und zwei wichtige Dinge begriffen hat: 1. erfreue dich deiner Gesundheit denn ohne Gesundheit ist alles nichts! und 2. Lebe dein Leben JETZT, nicht in der Rente, nicht später, nicht morgen. 

 

Hast du Ziele? Erreiche sie! Hast du Träume, träume und lebe sie!!!

 

Warum Extremsport? Gibt es nichts Wichtigeres? Nun, jedem ist was anderes wichtig nur, mit meinem Sport tue ich nicht nur Gutes für mich selbst, ich motiviere damit auch andere. Nicht nur, aber auch behinderte Menschen, die durch mich ihr Potential erkennen und nicht den Kopf in den Sand stecken sondern erkennen, behindert oder nicht, ich bin wer, ich kann was! 

 

Ich respektiere die Natur, schätze einen respektvollen Umgang miteinander, lebe nicht verschwenderisch und gehe meinen Weg.

Portrait

 

Am 05.04.1980 in Hofheim im Taunus mit einer starken Sehnervathrophie beidseits geboren, durch die ich rechts komplett blind bin und am linken Augen noch 5% Sehrest mit einem Sichtfeld von 12 Grad habe. Oft ausgestoßen und als anders betrachtet, entdeckte ich schnell meine Leidenschaft zum Sport und der Musik. Aufgewachsen bin ich in Mittersill, einem Ort im Pinzgau in der Nähe von Zell am See in Österreich. Ich musste schnell begreifen, dass ich weder eine Karriere als Profiboxer, noch als Rennfahrer anstreben werde, weil das meine Behinderung nicht zulässt. Von meinen Eltern wurde ich behütet und konnte mir ein paar Dinge wie Snowboardfahren und Skaten, Radfahren, Judo, erkämpfen und ging ansonsten einer soliden Ausbildung als Masseur nach. Aufgrund gesundheitlicher Probleme die ich damals noch nicht zuordnen konnte, musste ich diese Ausbildung abbrechen und schulte auf Bürokaufmann um. Auf meinem nicht immer einfachen Lebensweg, begleitete mich stets mein Sport und die Musik. Ich erlernte im Lauf der Zeit mehrere Instrumente, fing an meine eigenen Songs zu schreiben und hielt mich stets durch Training fit.

 

Ich war dem Wettkampf nie abgeneigt weil ich es liebe mich fair und auf sportlicher Ebene mit anderen zu messen. Ich muss in allem was ich im Leben mache irgendwie einen Sinn erkennen um zu wissen warum ich das eigentlich mache. Nur ins Studio zu gehen um zu trainieren und sich fit zu halten ist für mich nicht interessant genug. Sicher ist es wichtig sich fit zu halten und sich zu bewegen aber das alleine reicht nicht aus um mich für intensives Training zu begeistern. Ich will meinen Körper trainieren um ihn erleben zu können, mit ihm hohe Lebensqualität erfahren zu können, ihn in seiner ganzen Herrlichkeit nutzen zu können. Der menschliche Körper ist z mehr nutze als mit 10 Fingern auf einer Tastatur zu tippen oder eine Maus zu schupsen. Alleine was du mit einer Hand alles machen kannst, wie du dich bewegen und kontrollieren kannst, was du mit Kraftausdauer und ohne fremde Hilfe und Technik erreichen kannst, wie es sich anfühlt wirklich zu leben und nicht anderen beim Leben zuzusehen, das fasziniert mich. Neidisch vorm Fernseher sitzen während Joy Kelly da zeigt was er so erlebt, gern auch mitmachen zu wollen und von daheim hören zu müssen „Ja er kann das machen aber du doch nicht!“ Dieses ewige nichts zutrauen schon alleine aufgrund meiner Behinderung aber auch so. Klitschko steht im Ring und ich sage mir ich will auch so ein Portrait von mir haben und dann muss man vom Vater hören „Klitschko ist ein Mann von Welt der muss das machen aber du doch nicht.“ Ja verdammte Scheiße warum denn nicht?? Muss er nicht auch aufs Klo wie ich, kommt da nicht dasselbe raus wie bei mir? Hat er das Privileg allein das tun zu dürfen nur weil man ihn kennt? Habe ich nicht auch das Recht das zu tun? Bin ich nicht auch fähig meinen Körper zu stählen wie er?

 

Also suchte ich stets nach der Herausforderung, welche Sportart kann ich machen wo kann ich mich messen, was ist mein Sport? Ich kam durchs Fitnessstudio zum Kraftdreikampf und merkte schnell, dass ich zwar Kraft habe aber mir viel mehr die Kraftausdauer liegt. Ich bin nicht der reine Gewichtheber oder Dreikämpfer, ich muss mich auch ausdauernd fordern können. Lieber mit dem Fahrrad im Winter bei Schnee auf den Feldberg quälen als nur 1x 200kg heben zu können und das Blöde ist, damit bin ich nicht mal an der Spitze! Die heben weit mehr und ich stellte daher fest, Kraftausdauersport muss es sein. Ballsport geht nicht da ich es nicht sehen kann, ich würde nicht genommen werden. Radsport – zu schnell, nicht ohne Begleitung. Triathlon wäre genau das Richtige für mich und mein Körper ist dafür prädestiniert! Keine Zulassung mit meiner Behinderung ohne Führer und den finde erst mal. Sie wollen bezahlt werden, denken meist an sich und ihre Ziele, sehen dich als Stein am Bein und wenn ich eins hasse ist es Abhängig sein. Zwar sind wir alle in irgendeiner Art und Weise voneinander abhängig aber ich meine diese Abhängigkeit von z.B. einem Trainingspartner ohne den du nicht weitermachen kannst.

 

Wenn ich etwas anfange, dann ziehe ich das durch und mache das anständig. Und wenn ich mich auf ein Event vorbereite und mein Partner dann abspringt weil ihm ein Furz quer liegt, dann macht mich das echt sauer! Denn wie schon gesagt, etwas umsonst machen ist nicht mein Ding. Etwas zu probieren, zu merken es geht nicht und es so lange zu probieren bis es klappt, festzustellen es fruchtet einfach nicht und flexibel auf etwas anderes auszuweichen, ja das ist meine Vorgehensweise. Es gibt immer einen Weg, selbst wenn ich am Boden auf dem Rücken liege, kann ich noch Bogen pissen!!

 

Also musste was anderes her. Mit der Musik kam ich nicht recht vorwärts, fand keine Band die eigene Sachen komponieren wollte und spielte halt in der ein oder anderen Coverband, bildete mich selbst in dieser Hinsicht weiter und suchte weiter nach meinem Sport. Mach was funktioniert!! Und ich stellte bald fest dass es das Laufen ist was funktionierte und noch funktioniert, also warum nicht ein Läufer werden? Ich bin nun genau im richtigen Alter ein Langstreckenläufer zu werden und mein große Ziel soll sein, einmal einen Marathon zu laufen, das war 2011, nachdem ich bereits 1 Jahr immer mit dem Laufen zu tun hatte und mich 1 Jahr zum Marathon hin gezielt auf eben diese Sache Marathon spezialisiert hatte. Damit erfüllte ich mir einen weiteren Traum, einmal ein Buch zu schreiben. Mit dem Schreiben ist das bei mir wie mit dem Gefühl, du kannst es nicht erzwingen. Ich schreibe wenn ich empfinde, ich kann nicht schreiben wenn ich nichts empfinde. Ich schreibe nicht auf Kommando und nicht für Geld und ich schreibe wie mir der Schnabel gewachsen ist, brauche keine Zensur die mir sagt „Das kann man so nicht schreiben..“ Ach ja? Warum denn nicht? Warum muss ich sagen „es ist jetzt nicht so gelungen gelaufen“ wenn ich doch auch kurz und gezielt sagen kann „Das war Scheiße!“ Haben doch die Leute immer keine Zeit für lange Erklärungen und Texte, also…?

 

Aber zurück zum Thema. Ich schrieb mein Buch  ...Und DU kannst es schaffen! In dem ich meinen Weg zum ersten Marathon in meinem Leben beschreibe. Der Clou: Ich will das Buch beginnen zu schreiben noch bevor ich eine Ahnung habe wie es selbst ausgeht, was die Sache spannender macht. Reinhold Messner sagte einst „Du musst die Dinge dann aufschreiben wenn sie passieren. Schreibst du sie im Nachgang auf, verschleierst und vergisst du wichtige Sachen. Beispielsweise erinnerst du dich an einen Aufstieg auf einen 10.000er und magst dich noch an die Freude daran erinnern, aber den Schmerz den du dabei empfunden hast, er verschwindet und wird im Nachgang nicht mehr so intensiv dokumentiert.“

 

Das inspirierte mich. Als ich nun meinen ersten Frankfurt Marathon 2011 in einer Zeit von 3h33min absolviert hatte fragte ich mich, wie soll es denn nun für mich weitergehen? Mit Freude stellte ich fest was damals das gesundheitliche Problem bei meiner Erstausbildung zum Masseur war, es war Latschenkiefer, eine Substanz die den Körper nach der Massage kühlen soll aus Tannennadeln hergestellt und das verursachte auf Dauer bei mir eine Hautreizung und offene Hände mit denen ich nicht mehr massieren konnte. Jetzt wo ich das wusste, schaffte ich mir ein zweites Standbein und arbeitete nebenberuflich wieder als Masseur, zwar nicht medizinisch aber zur Prävention. Konnte ich also sagen dass ich beruflich nun eine solide Basis hatte, zwar nicht reich war aber doch genug verdiene um mich voll und ganz auf meine Freizeit konzentrieren zu können wenn ich eben gerade nicht dafür arbeiten muss. Ich fragte mich wenn ich nun Läufer werden sollte, ob es denn was anderes als den reinen Straßenlauf gibt und ob ich den Marathon erneut laufen will?

 

 Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung interessierte ich mich für Bergläufe, Ultralaufen war für mich 2011 noch eine unerreichte Sache die ich nie glaubte erreichen zu können, mir nicht einmal vorstellen konnte wie man sowas überhaupt erreichen kann. Ich entschied mich für den Zugspitz Extremberglauf, einen Berglauf mit 18km und 2500 Höhenmeter von Ehrwald in Tirol bis auf die Zugspitze über Sonnalpin zum Zugspitzgipfel. Man fragte mich wohl "warum immer so extrem und warum denn ausgerechnet die Zugspitze? Lauf doch einfach Marathon und gut." Nein! Meine ganze Jugend lang entschieden Eltern, Verwandte und andere was gut und nicht gut für mich ist, jetzt entscheide ICH und zwar ICH ALLEINE was ich mache und wann und warum. Ja warum… Weil´s Spaß macht, weil ich es kann, weil ich gern lebe, weil der Mensch mit seiner Herausforderung wächst, weil es das natürlichste der Welt ist zu leben und etwas zu erleben, suche dir was aus. Du kannst nicht alles auf dieser Welt erklären. Ich entschied mich für die Zugspitze weil ich die Natur liebe, es genieße in einer grandiosen Landschaft auf eigenen Beinen ohne Auto und sonstige Dinge die die Umwelt verschmutzen diesen Berg erklimmen kann, Eindrücke erlebe die du mit Geld nicht bezahlen und mit Worten nicht beschreiben kannst. Deinen Körper in einer Situation zu erleben wie sie ein „Normalo“ nie erleben wird, der Berg nimmt dir alles aber er gibt dir alles und noch mehr zurück! Eine Sucht? Kann ich nicht bestätigen. Eine Sucht ist für mich wenn ich gezwungen bin z.B. eine Substanz wie eine Droge einnehmen zu müssen damit ich schmerzfrei bin und in Ruhe leben kann. Ich will die Droge vielleicht gar nicht mehr haben aber ich muss sie haben weil es mir sonst dreckig geht. Hartes Training hingegen ist keine Sucht, es ist unumgänglich um gewisse Ziele erreichen zu können. Du bist nicht süchtig danach beim Sauwetter und -10 Grad raus zu gehen und da 30km laufen zu müssen, es schneit oder regnet bereits wenn du raus gehst und es wird noch pissen wenn du wieder kommst, du bist nass, müde, es ist kalt, anstrengend, vielleicht hast du dir noch weh getan, hast dich verlaufen. Du würdest dem gern nachgeben und auf der Couch bleiben, gehst raus wenn es schön ist aber – um einen extremen Wettkampf überstehen zu können wirst du dich für das Leben fernab vom Sofa entscheiden müssen. Ist der Wettkampf nun eine Sucht? Für mich ist natürliches Messen seiner Kräfte und sich zu bewegen ein Instinkt, ein Urinstinkt der früher dem Überleben diente und heute ist es gut wenn man ihn noch hat um ein Stück natürliches Leben sich zu erhalten. Ich sage nicht das jeder Leistung bringen muss, jeder soll auf seine Art glücklich sein aber seine Lebensqualität soll er/sie sich erhalten und dazu gehört einfach Bewegung denn unser Körper ist nicht dazu geschaffen nichts zu tun. Wir sind Lauftiere – nutzen wir doch unsere Gegebenheiten und leben sie aus. Die Problematik hier: Beim Zugspitzlauf musst du schwindelfrei sein, am Grad lang klettern, Trittsicherheit haben, mit den Elementen der Natur klar kommen. Ich konnte mit meiner Behinderung nicht einschätzen ob das geht oder nicht und auch kein anderer kann mir das beantworten weil keiner weiß was ich imstande bin zu sehen und ich nicht weiß was ich sehen können müsste. Also musste ich hier einfach auf gut Glück mich darauf einlassen und verblieb mit dem Veranstalter so, dass ich abbrechen werde wenn ich mir etwas nicht zutrauen würde.

 

Ich startete nach erfolgreicher Teilnahme am Zugspitzlauf, den ich mit 4h53min – meinen erster Berglauf und noch dazu so schwer - beendete, beim FFM Marathon 2012 und konnte mich hier über eine Zielzeit von 3h20min freuen. Jetzt war für mich klar, ich bleibe dem Laufen treu solange ich es kann weil es einer der einzigen Sportarten ist die ich ohne Einschränkung machen kann, noch sehe ich genug um ohne Guide zu starten, ich kann die extremsten Sachen laufen, kann noch schneller werden, werde irgendwann meine 3h knacken und ich will ein professionell gesteuertes Training haben und suchte mir als Trainer Kurt Stenzel aus, eine Legende im Marathonlauf! Seither arbeite ich mit ihm an meiner Karriere.

 

2013 wagte ich den Großglockner Berglauf – immer über den Tellerrand schauen!! Durch Zufall dann machte mich ein Laufkumpel auf die Braveheartbattle aufmerksam. Ist doch klar dass ich mich dieser Herausforderung auch stellen wollte denn das ist doch genau das was ich immer schon gesucht habe!! Ein Sport wo ich meinen Körper voll und ganz benutzen kann, meine Kraft im Studio ist nicht umsonst aufgebaut worden, wie ein Soldat unter Stromzäunen durchrobben, Schmerzen ertragen, hart sein, hart werden, sich was zutrauen, nicht nur das Laufen ist hier gefragt, deine ganze mentale Härte, dein Körper, dein Geist, alles muss zusammen stimmig arbeiten willst du hier erfolgreich siegen! Wie sollte ich nun als alleine stehender behinderter Sportler mich dieser Herausforderung stellen? Wie ist es im März ins kalte Wasser zu springen mit voller Laufmontur und wo kann ich das trainieren. Im Netz steht vieles darüber aber leider auch viel unbrauchbarer Mist. Kann ich alleine in einen Bach springen und wenn ich Krämpfe habe? Wenn ich nicht rauskomme? Wer wird mir helfen …. Ich riskierte es bis zur Brust in einen Bach zu klettern, die Bad Homburger Bevölkerung betrachtete mich mit Kopfschütteln. Ich meine was würdest du sagen?? Da ist es Winter, es ist kalt, die laufen mit Rollkragenpulli und Jacke rum und da kommt ein Läufer in T-Shirt, der springt plötzlich ohne Vorwarnung vom Weg ab in die Böschung in den Bach. Jetzt könnten Zweifler noch sagen „ah ein Wassertreter – ja soll ja gesund sein“ Jetzt legst du dich bäuchlings in diesen Bach und kriechst unter der Brücke durch über die man normal geht und über die nächste Springst du drüber und dann robbst du weiter durch den Bach und kletterst die Dornenböschung wieder hoch und das in der Dämmerung so um 17:00 Uhr im Dezember neben dem Kurpark wo du damit ahnungslose Hundebesitzer irritierst. Sperrt man dich nicht ein oder meldet dich der Polizei, kannst du froh sein. Oder du robbst im Wald durch´s Dickicht. Zerreißt dir Klamotten und Haut, läufst ignoriert weiter – was denkt der wer dich sieht?? Machst du es um 5:00 Uhr morgens denkt keiner was, da ist keiner.

 

Aber habe ich mich das von Anfang an getraut? Nein. Ich lernte es in der 2 Grad kalten Ostsee im Februar 2014 kennen was ich mir zutrauen kann. Interessiert schaute ich mir einen Bericht von der Marine, bzw. den Kampfschwimmern an. Ich sagte mir, das ist genau das was du brauchst. Genau das musst du machen, bei denen anheuern! Ich schrieb eine Mail dort hin mit der Bitte vorweg, die Mail bitte bis zum Ende zu lesen und nicht als Spinnerei abzutun. Sie wurde erst mal als Spinnerei abgetan mit den Worten „Sie haben es richtig erkannt, wir können Ihnen nicht helfen aber wir wünschen Ihnen für Ihr Vorhaben alles Gute!“ Natürlich so kann man einen armen kleinen Behinderten abcanceln – nicht mit mir Freunde!! Ich schrieb ihnen zurück dass ich es eine Frechheit finde ohne das man mich wirklich kennengelernt hat, mir nicht einmal eine Chance zu geben, wo man jedem arbeitsscheuen Nichtskönner und Unlustigen eine Chance gibt in diesem Verein mal vorsprechen zu dürfen, lässt man mich nicht mal zur Eingangsuntersuchung zu, geschweigedenn dass man mich anhört. Ich stand um 2:00 Uhr Nachts auf, trainierte mit LED im Dunklen im Schnee und schickte ihnen Bilder mit den Worten „Ihr mögt mich nicht mit euch trainieren lassen, aber ihr könnt nicht verhindern dass ich trainiere wie ihr!!!!“ Ich fragte sie warum sie nicht einsehen wollten dass auch ich eine Motivation für die anderen sein könnte. Wir können voneinander lernen, die Soldaten von mir meinen Einsatzwillen und meine Motivation zu teilen, zu erkennen was sie als Nichtbehiderte doch für ein Potenzial haben, wenn ich schon so ein Potenzial als Behinderter habe und ich kann von ihnen lernen hart zu werden, eine Hindernisbahn zu erfahren, ihr Training hautnah mitzuerleben.

 

Ich bekam eine Antwort von Lars Apitz, dem Ausbilder der Maritimen Fünfkämpfer aus Eckernförde und die Aufforderung, dass ich eine Woche mit ihnen zusammen trainieren darf. Ich absolvierte die Hindernisbahn der Maritimen Fünfkämpfer, durfte auf die militärische Hindernisbahn, unterzog mich dem harten Aufnahmetest der Maritimen Fünfkämpfer der Sportfördergruppe Eckernförde! Ein Trainingsvideo dokumentiert einen Lauf den wir zusammen im Wald gemacht haben und wie wir in die 2 Grad kalte Ostsee sprangen mit voller Montur. So wusste ich: In einer 2 Grad kalten See überlebst du nicht lange, sie nimmt dir den Atem, du musst schwimmen um dein Leben! In Bad Homburg kann es so kalt nicht sein und weil ich dort weiter machen werde was ich in Eckernförde gelernt habe, werde ich bei jedem Langstrecken und Kurzstreckentraining jetzt so eine Schweinerei einbauen. Weder der Main, noch die Nidda, noch Bäche und auch Schlamm sollen kein Hindernis mehr für mich sein, jeder Holzstapel der halbwegs stabil aussieht wird erklommen, alles zur Trainingsfläche umfunktioniert, Klimmzüge an der Bushaltestelle (das ließ ich bald sein weil das Aludach etwas lapidar zu sein schien J  

 

Daniela Preiß hat ein Buch über das Ganze mit mir zusammen entwickelt, nennt sich „Willensstark“.

 

Nachdem ich die Braveheartbattle geschafft hatte, eine Kopfverletzung davontrug die mich beinahe das Rennen gekostet hätte und später genäht werden musste, war es Zeit ein Versprechen einzulösen. Tilo Kramer, ein Ultraläufer und Kumpel von mir, schwärmt vom Ultralauf und ich selbst stellte mir ja immer noch die Frage kann ich das auch und bin ich Ultraläufer oder doch „nur“ Marathoni. Ich wagte mich 2013 das erste Mal nach Rodgau, wo ich 50km laufen sollte und ich sagte mir, es sind 10x 5km Runden auf denen ich testen kann ob ich nun für den Ultralauf geboren bin oder nicht. 2013 sollte es Infolge der Rennsteiglauf werden, mit seinen 72km aber das wurde nichts, weil ich meine Marathonzeit in Frankfurt deutlich verbessern wollte und daher alles daran setzte, hier eine Bombenzeit zu laufen. Dem sollte aber ein Test auf 50km im Januar 2013 nichts im Weg stehen, so Kurt Stenzel. Und so wollte ich es wissen wie es mir auf 50km ergehen wird. Ich schaffte den 50er in 4h37min und das bei Schnee! Ich war fertig aber glücklich.

 

Nachdem ich dann 2013 meine Marathonzeit in Frankfurt auf 3h14min verbessern konnte, bei schlechten und kalten Wetterbedingungen, war mir klar, die 3h fallen, aber so schnell noch nicht. Irgendwann werden sie fallen und da kann auch gut und gern der ein oder andere Ultralauf dabei sein, also muss es 2014 einfach der Rennsteiglauf sein. 2014 im April, knackte ich in Wien (Vienna City Marathon), meine Bestzeit und lief diesen in 3h10min. 2014 sollte definitiv mein bislang härtestes und ereignisreichstes Laufjahr werden weil hier wirklich viel anstand:

 

50km Rodgau, Braveheartbattle, Vienna Citymarathon, Weiltalmarathon, 72km Rennsteiglauf, Großglockner Berglauf, 24h Lauf (der allerdings wurde eingeschoben weil sich das Projekt Marathon des Sables 2015 anbahnte, dazu unten mehr), Koberstädter  Halbmarathon, Berlin Marathon, Frankfurt Marathon. In Berlin wurde erneut mit 3h06min, eine Bestzeit auf den Marathon erlaufen!!

 

Ich konnte in 8h und 4 Sekunden meinen ersten Rennsteiglauf vorweisen und es war klar, Ultralaufen liegt mir und ich bin kein Sprinter sondern definitiv Langstreckler.

 

Ich komme selten zum Fernsehschauen weil ich keine Zeit dafür habe und eh nur Blödsinn läuft. Wenn ich mal dazu komme schaue ich meist Servus TV oder einen anderen Extremsender wo es um harte Sachen geht wie Baumgartners Sprung aus der Stratosphäre oder Bergsteigen, Berglaufen und – ja was ist denn das – Scheiße was ist denn das??? Ich kriege Gänsehaut wenn ich es schreibe… „Heute bei Extrem am Limit – 240km durch die Sahara zu Fuß, einer der härtesten Läufe dieser Erde – der Marathon des Sables. Die Schwierigkeit hier, kein Schlafplatz, Nahrung muss selbst getragen werden, alles was du brauchst musst du selbst schleppen, jeder entscheidet selbst was er benötigt bis auf die Pflichtgegenstände die vom Veranstalter vorgeschrieben werden“ WOW!!!

 

Ich muss das machen, ich muss das haben, das ist geil, das ist der Hammer, das ist – ich weiß auch nicht wieso, es fasziniert mich und ich muss das haben ok? Ich finde es so spannend, ein tolles Projekt und klar ist es gefährlich, das ist aber über die Straße gehen und alleine im Wald um 5:00 Uhr morgens laufen auch.

 

Mich fasziniert hier, sich auf das Wesentliche zu beschränken, zu lieben, zu leben, essen, schlafen, beisammen sein, sich auf die Grundbedürfnisse im Leben einzulassen und zu beschränken, was ist wirklich wichtig im Leben? Ein iPad, ständige Erreichbarkeit, Bargeld? Oder miteinander etwas zu erleben, sich zu unterhalten? An einem Strang ziehen?? Ich saß stundenlang immer wieder vor der Seite, recherchierte im Netz ging auf die Anmeldung, ließ es sein, ging wieder drauf, hatte Angst und sagte mir „Ok Schlaffi, du willst es ja! Wenn du es nicht wollen würdest, dann würdest du ja wohl nicht ständig wieder davon anfangen. Kannst es nicht auf sich beruhen lassen? Dann melde dich an!!!“ Tja Das Geld habe ich nicht, werde es nie haben und worauf soll ich warten?? Wenn nicht jetzt wann dann. Jetzt mach es einfach ok? Du Spinner!! UPS… Angemeldet…

 

Und so begann der Weg auf eine lange Reise, dem Marathon des Sables 2015, meinen 35. Geburtstag, den ich in der Wüste am Start eines der härtesten Selbstversorgungsultras dieser Erde erlebt habe. ABER hier war die Schwierigkeit nicht ohne Guide starten zu dürfen. In dem Fall sehe ich das auch ein, weil ich keinen Kompass ohne Lupe lesen kann, hier auf Hilfe angewiesen bin, zwar kein Halsband brauche, aber doch mit jemandem zusammen laufen muss. Wieder stieß ich bei der Guidesuche auf Granit, keiner wollte mir helfen oder dafür bezahlt werden und die welche es gern würden, wie Anke Molkenthin, sind selbst nicht mehr aktiv. Ich musste da hin, wo andere Spinner sind die mich verstehen. Ich musste zu einem Ultra. So kam ich zum 24h Lauf nach Dettenhausen – ein wunderschönes Event, welches jedes Jahr Kultstatus hat. Hier geht es nicht darum möglichst viel Geld zu bezahlen für teure Shirts und Medaillen, hier geht es um das Beisammensein, das Miteinander, zusammen laufen, jeder ist Willkommen und jeder hat andere Ziele! Der eine will mal 100km laufen, der andere ist 24h Läufer und will 240km hinlegen, Kinder die Spaß am Laufen haben, Leute die das längste Intervalltraining der Welt absolvieren wollen, indem sie mit einer Staffel auf Tempo bolzen und das 24h lang abwechselnd, Geher die schauen wollen was raus kommt wenn man nur geht, schläft und wieder geht. 1,6km, 100mal und öfter Finisher sein – ist das nicht schön?? Hier mein Video meines 1. 24h Rennens.

 

Hier sehen Sie wie schön das ist! Ich sollte nur Teil des Ganzen sein, sollte Leute treffen, laufen soviel ich halt konnte aber nicht übertreiben. Nun hatten wir 35 Grad, es war heiß und ich lief halt so dahin bis ich merkte, ich führe plötzlich. Meine Strategie: Laufe 100km und dann mal schauen. Bis dahin habe ich nur Erfahrung  beim Rennsteiglauf mit 72km gesammelt – keine Ahnung ob ich dazu in der Lage war mehr zu machen, war der Rennsteiglauf doch erst im Mai und der 24h Lauf im Juli 2014 J Als ich merkte dass ich die Führung übernommen hatte, da wollte ich laufen bis meine Nase den Boden berührte und wurde letztenendes um 2:00 Uhr von denen die es können und schon mehr 24h Lauf Erfahrung als ich haben, überholt . Ich beendete das Rennen auf Position 5, hängte Position 6 um 16km ab, hatte vor mir nur Profis und war überglücklich. 22 ½ Stunden war ich ca. auf den Beinen, den Rest musste ich essen, ruhen, mich aufpäppeln.

 

Mit dieser Leistung beeindruckte ich auch die Französische Organisation ATLANTIDE und somit halfen sie mir Lahcen Ahansal, den 10-Fachen Sieger des Marathon des Sables als Guide zu bekommen. Er lief mit mir den 30. Sultan Marathon des Sables 2015 (MDS)!

 

Das Trainingsvideo mit Lahcen Ahansal, den Bericht im Französischen Fernsehen uvm., finden Sie hier.

 

Ich machte mir Sorgen weil ich bislang nicht viel Ultraerfahrung vorweisen konnte, ob ich für den MDS wirklich geeignet war. Anke Molkenthin, deutschsprachige Ansprechpartnerin und Außenstelle von ATLANTIDE, beruhigte mich in dieser Hinsicht weil sie mir sagte, ich kann noch viel trainieren und brauche keine teuren Wettkämpfe finanzieren um für die Wüste zu trainieren. Ohnehin kann ich nur das lange Laufen üben, niemals aber die Bedingungen in der Wüste trainieren. Zwar ist es schön 100km Biel zu laufen aber auch das bringt mir nichts für die Wüste außer der Tatsache dass ich 100km laufen kann und das kann ich auch im Training üben. Der 24h Lauf war also ein netter Zufall, mich in der Hinsicht weiterzuentwickeln und dass es so gut werden würde war, mir bis dahin unklar. Jetzt weiß ich aber was ich imstande bin zu leisten und denke dass ich läuferisch in jedem Fall die Sache wagen kann.

 

Lesen Sie hier meinen persönlichen Bericht zum Marathon des Sables 2015!